Reform der Netzentgelte für Stromerzeuger: BDEW setzt auf Baukostenzuschüsse – BNetzA favorisiert dynamische Netzentgelte für Stromeinspeiser
Berlin - Die künftige Beteiligung von Stromerzeugern an den Netzentgelten stand im Mittelpunkt des heutigen Expertenaustauschs der Bundesnetzagentur (BNetzA). Grundlage ist der laufende Reformprozess zur Allgemeinen Netzentgeltregelung Strom (AgNes) und die am 17.02.2026 vorgelegten Orientierungspunkte. Das AgNes-Papier schlägt neben statischen Baukostenzuschüssen auch dynamische und kapazitätsbezogene Einspeiseentgelte vor, um künftig Anlagenbetreiber, also Einspeiser, stärker an den Netzkosten zu beteiligen.
Ziel aller Beteiligten ist es, die Netzeffizienz zu erhöhen, Engpässe zu vermeiden und Investitionen netzdienlich zu steuern. Bei der Frage, wie dies erreicht werden soll, gehen die Ansätze jedoch auseinander. Während die BNetzA in dynamischen Entgelten ein Anreizsystem sieht, das Einspeiser dazu motivieren soll, Strom verstärkt bei niedrigen Netzentgelten einzuspeisen, stellt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) jene Betreiber in den Mittelpunkt, die mit festen, kalkulierbaren Rahmenbedingungen planen. Er favorisiert daher Baukostenzuschüsse als verlässliches und transparentes Instrument.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) betont, dass Baukostenzuschüsse ein bewährtes und praktikables Instrument sind, um Investitionen netzdienlich zu steuern, während dynamische Entgelte aus Sicht des Verbandes zusätzliche wirtschaftliche Risiken schaffen würden.
Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, erklärt: „Ein einmalig erhobener, räumlich differenzierter Baukostenzuschuss kann Investitionsentscheidungen transparent beeinflussen und Anreize für netzdienliche Standorte setzen. Anders als dynamische Entgelte schafft er keine dauerhaften Erlösunsicherheiten. Für Anlagenbetreiber und finanzierende Banken bietet eine Einmalzahlung im Rahmen der Investitionsentscheidung eine verlässliche Kalkulationsgrundlage.“
Andreae warnte zudem wörtlich vor dynamischen Einspeiseentgelten: „Die Dynamisierung führt zu schwer kalkulierbaren Erlösrisiken, damit würden die Finanzierungskosten und in der Folge auch die Kosten im Gesamtsystem steigen. Das steht im Widerspruch zu dem politischen Ziel, Energie bezahlbar zu halten und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken.“
Der BDEW fordert, dass die Bundesnetzagentur neue regulatorische Instrumente klar, praktikabel und konsistent mit EEG, EnWG und dem Netzpaket ausgestaltet. Baukostenzuschüsse könnten so Investitionen effizient lenken, ohne die Finanzierungssicherheit für Betreiber und Banken zu gefährden.
© IWR, 2026
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