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Batteriespeicher-Boom in Litauen: Leistung steigt auf fast 1.200 MW - Ignitis und Emsys VPP erweitern Virtuelles Kraftwerk für Regelleistung

© UAB Fimitas© UAB Fimitas

Vilnius/Oldenburg - Der Batteriespeichermarkt in Litauen wächst rasant: Die installierte Leistung ist von rund 700 MW Ende Juni auf knapp 1.200 MW Anfang Oktober 2026 gestiegen. Das litauische Energieunternehmen Ignitis und das deutsche Unternehmen Emsys VPP erweitern ihre Zusammenarbeit, um Batteriespeicher künftig auch für Regelleistung zu vermarkten.

Im Februar 2025 haben die baltischen Staaten einen gemeinsamen Regelleistungsmarkt gestartet und ihre Stromnetze mit dem kontinentaleuropäischen Synchrongebiet verbunden. Zwar konnten die Übertragungsnetzbetreiber ihren Bedarf bislang decken, sie sind dabei jedoch weiterhin auf wenige große Anlagen und eigene Reserven angewiesen. Der starke Ausbau der Batteriespeicher eröffnet die Möglichkeit, das Angebot flexibler Kapazitäten zu verbreitern und den Wettbewerb zu stärken.

Litauen erreicht 1.195 MW Batteriespeicherleistung - weiterer Ausbau geplant
Nach Angaben des litauischen Übertragungsnetzbetreibers Litgrid erreichte die installierte Batteriespeicherleistung Anfang Oktober 2026 insgesamt 1.195 MW bei einer Speicherkapazität von 2.261 MWh. Damit ist die Leistung gegenüber Ende Juni um rund 70 Prozent gestiegen.

Der Ausbau soll weitergehen: Litgrid erwartet bis Ende 2026 den Anschluss von bis zu 20 weiteren Speicherprojekten an das Übertragungsnetz. Bei erfolgreicher Umsetzung aller Projekte könnte die installierte Leistung auf mehr als 2 GW und die Speicherkapazität auf über 4 GWh steigen. Das litauische Energieministerium verfolgt zwar ein zurückhaltenderes Ausbauziel: Die ursprünglich für 2028 angestrebte Speicherleistung von 1,5 GW soll aber bereits bis Ende 2026 überschritten werden. Mit der wachsenden Speicherleistung steigt auch das Potenzial, kurzfristige Schwankungen zwischen Stromerzeugung und Verbrauch auszugleichen.

Ignitis und Emsys VPP erweitern Virtuelles Kraftwerk um Regelleistungsfunktionen
Seit 2024 nutzt Ignitis das Virtuelle Kraftwerk von Emsys VPP für die Direktvermarktung eines Erzeugungsportfolios von rund 650 MW und die Erstellung von Wind- und Solarstromprognosen. Batteriespeicher werden bereits auf dem Intraday-Markt gehandelt.

Mit der Erweiterung soll das Virtuelle Kraftwerk künftig auch Batteriespeicher für die automatische und manuelle Frequenzwiederherstellungsreserve (aFRR und mFRR) bündeln und steuern können. Damit sollen die Anlagen neben dem kurzfristigen Stromhandel zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten im baltischen Regelleistungsmarkt erhalten.

Voraussetzung für die Teilnahme am Regelleistungsmarkt sind die technische Anbindung und Vorqualifizierung der Batteriespeicher sowie ihre Einbindung in das Steuerungssystem des litauischen Übertragungsnetzbetreibers Litgrid.

Perspektivisch könnte die Lösung auf weitere flexible Anlagen wie Wind- und Solarkraftwerke ausgeweitet werden. Das Projekt wird im Rahmen des Renewable-Energy-Solutions-Programms (RES) der Exportinitiative Energie des Bundeswirtschaftsministeriums unterstützt. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) begleitet das Programm.

Baltischer Regelleistungsmarkt: Litauen trägt 61 Prozent der Beschaffungskosten
Der gemeinsame baltische Regelleistungsmarkt nahm am 5. Februar 2025 den Betrieb auf, vier Tage vor der Synchronisierung der Stromnetze Estlands, Lettlands und Litauens mit dem kontinentaleuropäischen Synchrongebiet. Dort beschaffen die Übertragungsnetzbetreiber unter anderem Kapazitäten für die beiden Regelreservearten aFRR und mFRR.

Die Kosten für die Vorhaltung von aFRR und mFRR beliefen sich nach Angaben der baltischen Übertragungsnetzbetreiber von Oktober 2025 bis Juni 2026 auf insgesamt 108,6 Mio. Euro. Davon entfielen 66,6 Mio. Euro beziehungsweise rund 61 Prozent auf Litauen. Die Kosten für tatsächlich aktivierte Regelenergie sind darin nicht enthalten.

Nach einem aktuellen Marktbericht der drei baltischen Übertragungsnetzbetreiber Litgrid, AST und Elering hat sich der Wettbewerb auf dem gemeinsamen Regelleistungsmarkt seit dem Start im Februar 2025 verbessert. Gleichzeitig sind die Preise gegenüber der Anfangsphase zurückgegangen. Allerdings wird der Markt weiterhin von wenigen großen Anlagen geprägt und ist auf Reserven der Übertragungsnetzbetreiber angewiesen. Besonders bei der positiven manuellen Frequenzwiederherstellungsreserve ist die Marktkonzentration hoch.

Der starke Ausbau der Batteriespeicher könnte diese Marktstruktur verändern, da die Anlagen aufgrund ihrer schnellen Reaktionsfähigkeit für die Frequenzregelung geeignet sind und zusätzliche Kapazitäten bereitstellen können. Die Erweiterung des Virtuellen Kraftwerks von Ignitis und Emsys VPP fügt sich in diese Entwicklung ein.

Ob der Speicherausbau den Wettbewerb im baltischen Regelleistungsmarkt stärkt und die Beschaffungskosten senkt, hängt davon ab, wie viele Anlagen für Regelleistung vorqualifiziert werden und anschließend wettbewerbsfähige Angebote abgeben.


© IWR, 2026


21.10.2026

 



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