Nordex schließt Turnaround ab und sichert sich Milliarden-Garantiefazilität zu besseren Konditionen
Strategisch reiht sich die Refinanzierung in den Ausbau der Marktposition von Nordex ein: Das Unternehmen zählt mittlerweile zu den größten Anbietern von Onshore-Windturbinen weltweit. Der Auftragseingang im Projektgeschäft legte im zweiten Quartal 2026 um rund 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Dass mehrere Analysehäuser ihre Einschätzung zu Nordex zuletzt angehoben haben, untermauert diesen Kurs auch am Kapitalmarkt.
Was sich für Nordex konkret ändert
Herzstück der Einigung zur Refinanzierung ist eine neue ESG-gebundene syndizierte Multiwährungs-Garantiefazilität über 2,475 Mrd. Euro mit einer fünfjährigen Laufzeit bis 2031. Die Konditionen fallen deutlich günstiger aus als bei der Vorgängerfinanzierung, vor allem bei den Kosten für Garantien. Getragen wird die Summe von 15 Finanzinstituten, arrangiert von einem Trio internationaler Banken: Commerzbank als Bookrunner und Facility Agent, Intesa Sanpaolo – IMI CIB Division als Global Coordinator, Bookrunner und Sustainability Coordinator sowie UniCredit Bank als Bookrunner, Documentation Agent und Process Coordinating Agent. Auf der Rechtsseite wurde Nordex von Freshfields begleitet, die Bankengruppe von Clifford Chance.
Garantiefazilitäten sind ein wichtiges Finanzierungsinstrument in der Windenergiebranche: Sie sichern Kundenprojekte ab und decken weitere vertragliche Verpflichtungen in den zahlreichen Märkten, in denen Unternehmen wie Nordex tätig sind. Bei der ESG-Kopplung – ESG steht für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – wird die Kreditmarge üblicherweise an vereinbarte Nachhaltigkeitsziele geknüpft.
Ganzheitlicher Abschluss des Turnarounds
Nordex-CFO Dr. Ilya Hartmann ordnet die Refinanzierung entsprechend ein: „In den vergangenen fünf Jahren haben wir als Unternehmen einen umfassenden Transformationsprozess durchlaufen. Nach der grundlegenden Stärkung unserer Bilanz, der erfolgreichen operativen Neuausrichtung auf industrielles Leistungsniveau sowie der Erreichung unserer mittelfristigen Ziele, markiert die Refinanzierung den ganzheitlichen Abschluss des Turnarounds", sagt er. Die neue Fazilität soll es dem Vertrieb erleichtern, Chancen in feste Aufträge umzuwandeln, und Nordex dabei unterstützen, seinen Auftragsbestand konsequent umzusetzen.
Nordex-Aktie mit verhaltener Kursreaktion
Der Kapitalmarkt scheint Nordex zu folgen: Jefferies und die Deutsche Bank haben ihre Kursziele für Nordex zuletzt angehoben, mit Verweis auf erwartete Margenverbesserungen und ein starkes zweites Quartal. Auch Berenberg bestätigte nach den jüngsten Auftragszahlen die Kaufempfehlung, da die Bestellungen die Konsensschätzung übertroffen hätten. Skeptischer bleibt RBC: Der Analyst erhöhte zwar ebenfalls sein Kursziel, verwies aber auf eine nach dem Kursanstieg der vergangenen zwölf Monate überdehnte Bewertung und hielt an seiner Verkaufsempfehlung fest. Die neue Finanzierungsvereinbarung fügt sich in dieses insgesamt positive Bild ein.
An der Börse bleibt die Nachricht über die Refinanzierung bislang ohne erkennbare große Effekte: Die Nordex-Aktie notiert im heutigen Handel derzeit mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 39,60 Euro (27.07.2026, 14:16 Uhr, Börse Stuttgart). Gegenüber dem Kurs zum Jahreswechsel steht die Nordex-Aktie damit bei einem Kursplus von 36 Prozent.
© IWR, 2026
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