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Tolling-Deal für Batteriespeicher: EnBW sichert sich 1,2 GWh Speicherkapazität in italienischem 4-Stunden-Großspeicherprojekt

© EnBW© EnBW

Karlsruhe – Der wachsende Bedarf an Netzflexibilität in Italien treibt den Ausbau von Großbatteriespeichern voran. Der Energiekonzern EnBW und der spanische Projektentwickler Zelestra haben deshalb eine langfristige Tolling-Vereinbarung für einen Batteriespeicher in der Emilia-Romagna geschlossen, mit der EnBW die Position auf dem italienischen Strommarkt ausbaut.

Die Vereinbarung umfasst einen Leistungsanteil von 300 Megawatt (MW) an dem rund 500-MW-Speicherprojekt von Zelestra in der Emilia-Romagna. Bei einer Speicherdauer von vier Stunden entspricht der EnBW-Anteil damit rund 1,2 Gigawattstunden (GWh) Flexibilität für das italienische Stromnetz; das Gesamtprojekt kommt auf eine Speicherkapazität von rund 2 GWh. Baubeginn ist 2027, die Inbetriebnahme für 2028 geplant. Italiens Regulierungsbehörde ARERA treibt den Ausbau des heimischen Speichermarkts voran und hat dazu im Rahmen des staatlich genehmigten MACSE-Programms 2025 über den Netzbetreiber Terna die erste Ausschreibungsrunde für neue Speicherkapazität durchgeführt.

Tolling-Modell sichert Vergütung für Großbatteriespeicher
Bei der Tolling-Struktur – einem Vertragsmodell mit fester Vergütung für bereitgestellte Speicherkapazität statt Erlösen über den Spotmarkt – errichtet Zelestra den Speicher. EnBW sichert sich dafür langfristig den vereinbarten Kapazitätsanteil. EnBW und Zelestra werten die Vereinbarung als Beleg für die wachsende Bedeutung solcher Vergütungsstrukturen für eigenständige Großbatteriespeicherprojekte in Europa. Mit seiner vierstündigen Speicherdauer soll der Speicher zur Stabilisierung des italienischen Netzes beitragen, das durch den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien zunehmend Flexibilität benötigt.

EnBW baut Position in Italien aus, Zelestra wächst als Multitechnologie-Entwickler
Für EnBW ist die Vereinbarung ein wichtiger Schritt in einem strategisch relevanten Markt. Olivia Barnes, Head of Energy Transition der EnBW, erklärt: „Batteriespeicher entwickeln sich zu einem Eckpfeiler unseres modernen Energiesystems. Indem wir unsere Flexibilitätsexpertise mit der starken Kompetenz von Zelestra beim Ausbau erneuerbarer Energien kombinieren, können wir ein Projekt realisieren, das eine wichtige Rolle im italienischen Stromnetz spielen und zu einer sicheren, kohlenstoffarmen Zukunft beitragen wird.“

Zelestra mit Sitz in Bilbao, Spanien, ist ein international tätiger, von der Investmentgesellschaft EQT unterstützter Projektentwickler für erneuerbare Energien mit Solar-, Wind-, Speicher- und Wasserstoffprojekten. Das Unternehmen strebt an, seine derzeitige 1,4-GW-Pipeline aus Solar- und Speicherprojekten in Italien noch in diesem Jahr zu verdoppeln; im Dezember 2025 hatte sich Zelestra im Rahmen des Ausschreibungsprogramms FER X für die Stromerzeugung aus Solarenergie Verträge für neun Solarprojekte mit bis zu 168 MW gesichert.

Eliano Russo, CEO von Zelestra Italy, erklärt: „Das italienische Stromnetz benötigt flexible Kapazitäten, und zwar in großem Umfang. Diese Vereinbarung mit der EnBW ist genau die Art von langfristiger Partnerschaft, die Großspeicheranlagen ermöglicht. Unser Projekt in der Emilia Romagna wird nach der Inbetriebnahme eines der bedeutendsten Großbatteriespeicher-Projekte in Europa sein.“

Zweiter Tolling-Partner sichert Gesamtprojekt vollständig ab
Durch die Vereinbarung mit EnBW ist das Gesamtprojekt von Zelestra mit rund 500 MW bzw. rund 2 GWh nun vollständig abgesichert. Bereits im September 2025 hatte Zelestra ein Tolling Agreement mit dem Schweizer Energieunternehmen BKW für einen weiteren Anteil desselben Projekts geschlossen – nach Angaben von Zelestra die erste Vereinbarung dieser Art für Batteriespeicher in Italien. Die BKW-Vereinbarung baute auf einer bestehenden Partnerschaft auf: Bereits im Dezember 2024 hatten beide Unternehmen einen zehnjährigen Stromabnahmevertrag für zwei Solarprojekte in Ginosa (Apulien) und Bellomo (Sizilien) mit zusammen 16 MW geschlossen. Mit EnBW und BKW sichern sich damit zwei europäische Versorger langfristig Flexibilitätskapazitäten im italienischen Markt.

Regulatorischer Rahmen: Italiens Kapazitätsmechanismen für Speicher
Parallel zu bilateralen Tolling-Deals baut Italien auch staatlich organisierte Vergütungsmechanismen für Speicherkapazität auf. Mit dem Meccanismo di Approvvigionamento di Capacità di Stoccaggio Elettrico (MACSE) hat die Regulierungsbehörde ARERA auf Vorschlag des Netzbetreibers Terna ein Ausschreibungsverfahren für neue Speicherkapazität eingeführt, dessen Ausgestaltung im Oktober 2024 vom italienischen Umweltministerium genehmigt wurde. Bei der ersten MACSE-Auktion im September 2025 vergab Terna 10 GWh Lithium-Ionen-Speicherkapazität in Süditalien und auf den Inseln, zu einem Durchschnittspreis von rund 13.000 Euro pro MWh und Jahr – deutlich unter dem ARERA-Höchstpreis von 37.000 Euro. Das Emilia-Romagna-Projekt von EnBW und Zelestra ist von dieser Auktion nicht erfasst, da MACSE bislang nur Süditalien und die Inseln abdeckt; es zeigt aber den wachsenden regulatorischen Rahmen für Speicherprojekte im italienischen Markt.


© IWR, 2026


17.07.2026

 



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