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Niedersachsen Ports übergibt an Uniper: Bauarbeiten am LNG-Anleger in Wilhelmshaven abgeschlossen

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Wilhelmshaven - Im Zuge der Verringerung der Abkehr von russischem Erdgas setzt die Bundesregierung zur Sicherung der Energieversorgung für eine Übergangszeit auf Flüssigerdgas (LNG). Das erste Anlandeterminal für LNG in Deutschland ist jetzt fertig.

Die Bauarbeiten für den bundesweit ersten Anleger für Flüssigerdgas in Wilhelmshaven sind abgeschlossen. Die Inbetriebnahme ist für den Jahreswechsel 2022/2023 geplant, vorher stehen noch eine Reihe von technischen Tests auf der Agenda. Der Import von Flüssiggas unter Einsatz von Floating Storage and Regasification Units (FSRU) ist Teil der deutschen Strategie, die Energieversorgung zu diversifizieren.

Beispiel Wilhelmshaven zeigt, was machbar ist, wenn alle an einem Strang ziehen
Nur 194 Tage nach dem ersten Rammschlag ist nun der neue LNG-Anleger in Wilhelmshaven fertiggestellt worden. Die Hafengesellschaft Niedersachsen (NPorts) Ports GmbH & Co. KG als Auftraggeberin hat mit Unterstützung der Jade WeserPort Realisierungs GmbH, der Depenbrock Ingenieurwasserbau GmbH & Co. KG und Kurt Fredrich Spezialtiefbau GmbH gemeinsam an der schnellen Umsetzung gearbeitet. Im Rahmen des Projektes wurden an der bestehenden Umschlagsanlage eine Anlegeplattform sowie Fender- und Festmacherdalben für den Liegeplatz gebaut.

Im Sinne einer Staffelstabübergabe hat Niedersachsen Ports die Hafen-Infrastruktur jetzt an Uniper übergeben. Der Energiekonzern hat parallel begonnen, auf dem Hafenanleger eine Verbindung zwischen der FSRU und den Anlagen an Land herzustellen. In einem Monat soll das erste LNG-Terminalschiff anlegen können. Die weitere Anbindung an das 28 Kilometer entfernte Erdgasleitungsnetz und damit auch an den Erdgasspeicher Etzel wird derzeit von der Open Grid Europe GmbH (OGE) realisiert.

„Der neue LNG-Anleger ist ein großer Schritt für eine sichere Energieversorgung. Niedersachsen hat binnen kürzester Zeit geliefert, und das in der viel beschworenen neuen Deutschlandgeschwindigkeit. Die frühzeitige Entscheidung, Wilhelmshaven als Drehscheibe für LNG-Importe zu wählen, war richtig“, so Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies anlässlich des Abschlusses der Bauarbeiten. „Die Landesregierung arbeitet mit Hochdruck an einer sicheren und klimaneutralen Energieversorgung. Gemeinsam werden wir den Niedersachsen-Turbo zünden, um so schnell wie möglich auf kostengünstige, sichere und heimische Erneuerbare Energien umzustellen“, ergänzt der niedersächsische Umwelt- und Energieminister Christian Meyer.

„Mein Dank und Glückwunsch gilt Niedersachsen, denn das ist ein zentraler Baustein für die Sicherung unserer Energieversorgung im kommenden Winter. Das Beispiel Wilhelmshaven zeigt: Deutschland kann schnell sein und mit hoher Entschlossenheit Infrastrukturprojekte voranbringen, wenn Bund und Länder und die Projektbeteiligten an einem Strang ziehen“, ergänzt Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck:

Zum Stand der LNG-Terminals
Die Bundesregierung hat sich aktuell insgesamt fünf staatliche schwimmende Flüssigerdgasterminals gesichert, jeweils mit einer Kapazität von je mindestens 5 Mrd. m3 pro Jahr und Schiff. Neben Wilhelmshaben, wo zum Jahreswechsel 2022/2023 der Start des FSRU Schiff Hoegh Esperanza geplant ist, soll in Brunsbüttel zum Jahreswechsel 2022/2023 ein weiteres Hoegh-Schiff stationiert werden. Am 16. August 2022 wurde zudem eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) zwischen BMWK, Uniper, RWE und EnBW/VNG über die zeitlich befristete Belieferung dieser FSRU unterzeichnet. Danach wollen die genannten Unternehmen, ihre Lieferfenster vom Jahreswechsel 2022/23 bis 31. März 2024 vollständig auslasten. Dadurch könne ein maximaler Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet werden, so das BMWK.

Das 3. und 4. FSRU wird in Stade bzw. Lubmin stehen. Diese FSRU sollen Ende 2023 ihren Betrieb aufnehmen. In Stade wird die FSRU von der Hanseatic Energy Hub GmbH betrieben werden, in Lubmin von RWE und Stena-Power. Das fünfte staatliche FSRU kommt erneut nach Wilhelmshaven. Dieses Spezialschiff soll im vierten Quartal 2023 in Betrieb gehen. Excelerate, der Eigentümer des Schiffes, wird das FSRU dem Konsortium aus den Unternehmen TES/E.ON/Engie bereitstellen und es technisch betreiben sowie weitere erforderliche Dienstleistungen erbringen.

Zusätzlich ist ein privates FSRU in Lubmin mit 4,5 Mrd. m3/Jahr ab Ende dieses Jahres geplant.

Damit sollen über die schwimmenden Flüssigerdgasterminals zum Winter 2023/2024 mindestens 25 Mrd. m3/Jahr an Kapazität aus staatlichen FSRUs bereitstehen. Hinzu dürften mindestens 4,5 Mrd. m3/Jahr aus dem privaten Projekt in Lubmin kommen. Zusammen könnte damit nach BMW-Angaben allein aus den FSRU der bisherige Gas-Bedarf zu etwa einem Drittel gedeckt werden (Basisjahr 2021: 90,5 Milliarden) werden.

Gasspeicher in Deutschland voll
Mittlerweile sind die Gasspeicher voll bzw. fast voll. In Deutschland erreichten die Speicher am 13. November einen Füllstand von 100 Prozent, EU-weit lag der Füllstand am 13. November bei 95,46 Prozent. Nach dem jüngsten Wert, liegt der Füllstand der Gasspeicher in Deutschland momentan bei 99,94 Prozent (15.11.2022), d.h. es findet eine Ausspeicherung statt, die Entnahme übersteigt die Injektion. Das Energiewirtschaftsgesetz gibt für Deutschland vor, dass am 1. Februar noch ein Speicherstand von 40 Prozent erreicht werden muss.

Da das von den Speicheranlagenbetreibern ausgewiesene Arbeitsgasvolumen die gesicherte Kapazität des Speichers widerspiegelt, entspricht diese nicht immer den physikalischen Möglichkeiten, sodass einige Speicher mehr Gas einspeichern können. Deshalb kann auch bei einem Füllstand von 100 Prozent weiter eingespeichert werden.

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) betont trotz der hohen Speicherstände ausdrücklich die Bedeutung eines sparsamen Gasverbrauchs. Eine nationale Gasmangellage im Winter könne vermieden werden, wenn erstens das Sparziel von mindestens 20 Prozent weiterhin erreicht wird. Zweitens müssten die LNG-Terminals zum Jahresbeginn einspeisen und drittens der winterbedingte Rückgang der Importe sowie der Anstieg der aktuell besonders niedrigen Exporte eher moderat ausfallen, so die BNetzA.


© IWR, 2022


15.11.2022

 



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