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Neuartiger Stromspeicher kombiniert Wind- und Wasserkraft

Gaildorf - Mit dem ersten Spatenstich ist der Bau des weltweit ersten Naturstromspeichers im baden-württembergischen Gaildorf gestartet. Das Pilotprojekt kombiniert einen Windpark mit einem Pumpspeicherkraftwerk. Das Wasser ist dabei zu einem großen Teil in den Windkrafttürmen "versteckt".

Bei dem Naturstromspeicher handelt es sich um die Kombination aus einer Windenergieanlage in einer Höhenlage mit einem Pumpspeicherkraftwerk im Tal. Neben der Energieerzeugung ist die wichtigste Funktion dieser Anlage, dass sie als flexibler Kurzzeitspeicher genutzt werden kann.

Flexible Kurzzeitspeicher als zweiten Säule der Energiewende

Bereits Ende 2017 sollen die vier Windturbinen mit einer Leistung von je fünf Megawatt (MW) Energie liefern. Bis Ende 2018 soll dann das ganze Kraftwerk komplett in Betrieb gehen. Alexander Schechner ist der Gründer und einer der Geschäftsführer der MBS Naturstromspeicher GmbH. „Flexible Kurzzeitspeicher machen es möglich. Sie werden zur zweiten Säule der Energiewende“, ist Schechner überzeugt. „Wir nehmen den Kritikern der Windkraft den Wind aus den Segeln und rüsten die Windparks selbst zu flexiblen Stromspeichern auf. Damit übernehmen sie in den Portfolios der Energieversorger ganz neue Aufgaben.“ Wie eine Sprecherin gegenüber IWR Online erklärte, wird der Wasserkraft-Part von der Firma Voith Hydro übernommen. Wer die Windturbinen liefern wird, konnte noch nicht mitgeteilt werden.

Oberwasserbecken in den Windkrafttürmen integriert

Hinter dem Projekt steckt ein völlig neues Anlagenkonzept. Der Naturstromspeicher kombiniert einen Windpark mit einem Pumpspeicherkraftwerk. Das Oberwasserbecken des Pumpspeicherwerks ist zum großen Teil in den Windkrafttürmen „versteckt“. Neben einem Aktivbecken im Sockel des Windkraftturms wird zudem jede der vier Anlagen mit einem zusätzlichen Passivbecken um den Anlagenturm herum ausgestattet. Dies schafft zusätzliche Spielräume beim Betrieb dieser vom Bundesumweltministerium mit insgesamt 7,15 Mio. Euro geförderten Pilotanlage. Durch die Integration der Wasserbecken in und an die Windkraftanlagen werden die Eingriffe in die Umgebung möglichst geringgehalten.

Neues Druckrohr kann umweltschonend verlegt werden

Das Kraftwerk wird sich am Ende vollständig in seine Umgebung einfügen. Das liegt zum einen an den besonderen Speicherfundamenten der Windtürme, die große Rodungen und Eingriffe in den Höhenlagen um ein Vielfaches reduzieren. Zum anderen arbeitet der Naturstromspeicher mit einem eigens entwickelten Druckrohr aus Polyethylen (PE). „Es revolutioniert die Verlegung von Großrohren in unseren sensiblen Landschaften“, ist Schechner überzeugt. In Gaildorf wird mit dem Rohr die bereits existierende Wegeführung im Wald aufgenommen.

Mit im Boot ist die Max Bögl-Gruppe. „Wir sehen den Naturstromspeicher als wichtigen Baustein für die Energiewende in Deutschland“, sagte Stefan Bögl, Vorstand der Max Bögl-Gruppe. Es sei ein Projekt der Superlative und voller Innovationen. Die Stromspeicherkapazität beträgt nach Angaben der MBS Naturstromspeicher GmbH immerhin 70.000 Kilowattstunden (kWh). Die Windenergieanlagen kommen zusammen auf eine Leistung von 20 MW.

© IWR, 2016

28.04.2016